©Véronique Michelle Gindl

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Véronique Michelle Gindl Hobby-Fotografin für Umwelt-, Natur- und Tierschutz. Tierportraits von Haus- und Wildtieren. Industrie Fotografien.






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Die zwei Staffdog's von Wildlife Geographic

 

Leila (hell) & Coralie (dunkel) welche bei der Suche und aufspüren von Tieren helfen und sonst auch wertvolle Hilfe leisten.

Leila mit guten Vorsteheigenschaften und Coralie die Spürnase und Bewacherin von Team und Camp.


Fakten zum Verhalten mit Wölfen

Wolf - Canis lupus

 

Fakten zum Verhalten von Wölfen

 

Wölfe in der Schweiz leben in einem stark durch Infrastruktur und Kulturland fragmentierten Umfeld. Ihre Reviere umspannen häufig bewohnte Gebiete und sind mit unzähligen abgelegenen Gebäuden und künstlichen Bauten durchsetzt. Sie sind fast permanent mit menschlichem Geruch und häufig auch mit menschlicher Anwesenheit konfrontiert – sie sind also generell an die Anwesenheit des Menschen gewöhnt. So ist es ganz normal, dass wir ihre Spuren, und manchmal sogar die Wölfe selbst, zu sehen bekommen. Dies wirft immer wieder Fragen und Bedenken zum Verhalten dieser Tiere auf.


CHWOLF hat hierzu einige wichtige Fakten zusammengestellt.

 

► Es ist ganz normal, dass Wölfe sich als Carnivoren (Fleischfresser) von anderen Tieren ernähren und dafür Hirsche, Rehe und Gämsen jagen und reissen. Wölfe sind ein Teil der natürlichen Nahrungs-kette und regulieren dadurch direkt und indirekt den Bestand vieler anderer Arten.

 

► Wölfe folgen innerhalb ihres Reviers den Beutetieren. Da Hirsche und Rehe sich in den Winter-monaten, wenn in höheren Lagen viel Schnee liegt, in den tiefergelegenen Wäldern aufhalten, kommen auch die Wölfe vermehrt bis in die Talsohle und damit näher an bewohnte Gebiete. Es ist daher ganz normal, dass Wölfe sich im Winter häufiger in den Talgebieten aufhalten und dort ab und zu auch gesehen werden.

 

► Wölfe jagen vorwiegend in den frühen Morgenstunden oder abends in der Dämmerung, und sie jagen dort, wo sich ihre Beutetiere aufhalten. Dies kann mitunter auch einmal am Waldrand in Siedlungsnähe oder sogar nahe einem alleinstehenden Hof sein. Wenn ein Beutetier bei seiner Flucht z.B. durch bebautes Gebiet oder Siedlungen springt, dann wird auch sein Verfolger, fokussiert auf seine Beute, dort durchstürmen. Natürliche Tränken, wie Bäche, Flussufer und Teiche, werden von vielen Tieren häufig frequentiert und bilden somit auch einen geeigneten Ort zur Beutesuche.

 

► Es ist ganz normal, dass Wölfe grosse Beutetiere nicht auf einmal ganz fressen können. Einerseits überlassen sie mit dem Kadaver reichlich Nahrung für andere Tiere und Aasfresser, und andererseits kehren sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder zur Beute zurück, um weiter zu fressen und die Resten zu verwerten.

 

► Wölfe sind Opportunisten: Um Energie zu sparen und Verletzungen vorzubeugen, bevorzugen sie, vor allem wenn sie alleine unterwegs sind, einfach zu jagende Beutetiere. Nutztiere, wie Schafe und Ziegen, müssen daher in Wolfsgebieten sowohl während der Sömmerung als auch auf Weiden in Hofnähe zwingend mit wirkungsvollen Herdenschutzmassnahmen vor Wolfsangriffen geschützt werden.

 

► Da es zur Paarungszeit (Ranzzeit), Januar bis März, in Rudeln auf Grund von hormonellen Verände-rungen zu erhöhten Spannungen kommt, sind die Jungwölfe in dieser Zeit häufig in kleineren Gruppen oder sogar alleine im Revier unterwegs. Im Frühling, spätestens mit der Geburt der Welpen, kehren dann wieder Ruhe und Einheit ins Rudel zurück, und gemeinsam kümmern die Wölfe sich um den Nachwuchs.

 

Ernährungsbedarf

 

► Ein erwachsener Wolf benötigt „je nach Energiebedarf (Jahreszeit, Temperatur, Gelände)“ im Durchschnitt 2 - 4 kg Nahrung (Fleisch) pro Tag. Da die Jagd „vor allem auf grössere Beutetiere“ nicht jeden Tag erfolgreich ist, muss er manchmal tagelang ohne Nahrung auskommen. Dafür kann er dann aber auch grössere Mengen auf einmal, bis zu 10 kg, verschlingen.
Da Beutetiere nicht nur aus Fleisch, sondern auch noch aus Innereien, Knochen und Fell bestehen (gesamthaft Biomasse genannt), benötigt der Wolf pro Tag „in Biomasse gerechnet“ einiges mehr als nur den reinen Fleischanteil (gemäss verschiedenen Studien durchschnittlich 5 - 7kg).

 

► Der Wolf ernährt sich bei uns hauptsächlich von Schalenwild (Reh, Hirsch und Gämse), aber auch von Wildschweinen, Murmeltieren, Hasen und anderen kleinen Säugetieren. Im Herbst kann ein Teil der Nahrung zeitweise auch aus Früchten bestehen.

 

► Ein ca. 10-köpfiges Wolfsrudel, bestehend aus den Elterntieren, den Welpen und einigen Jung-wölfen aus den Vorjahren (entspricht dem Calandarudel), erbeutet geschätzt ca. 300 Stück Schalen-wild pro Jahr. Bei einer Reviergrösse von rund 220 km2 ergibt sich daraus 1,3 bis 1,4 Stück Schalenwild pro km2 und Jahr.

 

Wie nimmt der Wolf Objekte unserer Zivilisation, wie Gegenstände oder Gebäude, und uns Menschen wahr?

 

► Gebäude, Bauten und Maschinen sind statische Objekte, diese gehören zur Umwelt und werden vom Wolf als Hindernis und nicht als Gefahr gesehen. Es kommt immer wieder vor, dass ein Wolf in Siedlungsnähe gesehen wird oder auch einmal durch eine Siedlung läuft. Vor allem zu unbelebten Zeiten, spät abends, in der Nacht oder in der Morgendämmerung stellen Gebäude und Siedlungen für Wildtiere kein zu meidendes Gebiet dar. Will ein Wolf vom Waldrand auf der einen Seite einer Siedlung in ein Gebiet auf der anderen Seite gelangen, dann führt sein kürzester Weg durch die Siedlung. Dies ist kein unnatürliches Verhalten und bedeutet auch nicht, dass der Wolf deshalb sein natürliches Misstrauen Menschen gegenüber verloren hätte. Wölfe wählen einfach den für sie effizientesten und ungefährlichsten Weg. Wichtig ist, dass Nutztiere, auch wenn sie in der Nähe von Wohnhäusern oder neben landwirtschaftlichen Gebäuden weiden, mit Herdenschutzmassnahmen geschützt werden. Die unmittelbare Nähe zu Häusern bietet keinen Schutz vor Wolfsangriffen.

 

► Fahrzeuge und Eisenbahnen sind „tote Objekte“, die sich allenfalls verschieben. Sie sind ohne Gesicht, ohne Ausdruck, ohne Gestik, haben kein natürliches Bewegungsschema und keine natürlichen Verhaltens-abläufe. Sie werden vom Wolf als Objekte ohne spezielle Bedrohung wahrgenommen. Die Geschwindigkeit von Autos und Zügen kann vom Tier jedoch nicht ein-geschätzt werden. Das erklärt die grosse Unfallgefahr! Menschen in Fahrzeugen werden von Wölfen nicht als solche wahrgenommen.

 

► Strassen, Wege, Pfade, Brücken und Bahngeleise werden von Wölfen sehr gerne und häufig benutzt, da sie eine kraftsparende Fortbewegung erlauben. So sind Wölfe auch immer wieder einmal aus Fahrzeugen zu beo-bachten, wie sie entlang von Strassen laufen.

 

► Ein fahrendes Motorrad wird vom Wolf als Objekt, wie ein Fahrzeug, wahrgenommen. Sobald es aber steht und der Fahrer absteigt, wird dieser als Lebewesen und Mensch erkannt.

 

► Ein fahrendes Fahrrad wird vom Wolf trotz pedalendem Fahrer gesamthaft ebenfalls eher als Objekt angesehen. Steigt der Fahrer ab oder wird das Fahrrad von ihm geschoben, so wird die Wahrnehmung des Velofahrers als Mensch und Lebewesen überwiegen.

 

► Der Mensch wird als Lebewesen wahrgenommen. Nebst Grösse, Geruch und Körperhaltung (auf-rechte Position) werden auch das Verhalten, die Körpersprache und die Fortbewegung vom Wolf er-fasst. Alle diese Komponenten haben einen Einfluss auf die Situationsbeurteilung durch ein Wildtier.

 

► Der Mensch gehört bei normalem Verhalten nicht ins Beuteschema der Wölfe und braucht vor Wölfen keine Angst zu haben. Gesunde Wölfe, die weder provoziert, in die Enge getrieben noch angefüttert werden, stellen für den Menschen keine Gefahr dar. In den letzten 20 Jahren, seit es in der Schweiz wieder Wölfe gibt, sind keine Situationen bekannt, in denen sich Wölfe aggressiv gegenüber Menschen verhalten hätten.


Frei herumlaufende oder wildernde Hunde im Wolfsrevier können jedoch gefährdet sein.

 

► Wölfe sind von Natur aus neugierig, vorsichtig, miss-trauisch und scheu, meiden unbekannte und vor allem nicht einschätzbare Situationen und sind eher selten zu sehen. Zeigen sie sich dennoch einmal, so wird dies von sehr kurzer Dauer sein und sie werden sich rasch wieder in den Schutz einer Deckung begeben.
Wölfe, die nahe von Zivilisation und teilweise in Kultur-landschaften leben, reagieren beim Anblick eines Menschen vorsichtig, aber nicht extrem scheu oder gar panisch. Bei einer direkten Begegnung bleiben sie meist kurz stehen, beobachten und je nach Situation weichen sie aus oder ziehen sich gelassen zurück.

 

► Jungwölfe sind vielfach verspielt und noch neugieriger als ihre erwachsenen und erfahrenen Artgenossen und zeigen sich eher einmal auf offenem Gebiet oder in Nähe von Gebäuden. Dies ist ein ganz normales Verhalten und gehört zum Lern- und Erfahrungsprozess der jungen Tiere. Interes-se und Neugier, vor allem von Jungwölfen, ist nicht mit verlorengegangener Scheu zu verwechseln! Hier ist bei der Interpretation des Verhaltens der Wölfe Vorsicht geboten. Auf Grund ihrer langen Abwesenheit kennen wir diese Tiere und ihr natürliches Verhalten kaum noch und tendieren stark dazu, dieses voreilig und falsch zu deuten.

 

► Damit die Wölfe ihr natürliches Misstrauen und die Distanz zum Menschen beibehalten, ist es immens wichtig, dass Wölfe in keiner Art gefüttert, mit Futter angelockt oder mit Essbarem versorgt werden. Auch das offene Deponieren von essbaren Abfällen in Siedlungsnähe muss konse-quent vermieden werden. Abfallsäcke sind unbedingt in geschlossenen Containern oder Metall-kübeln zu lagern. Das Aufstellen von Haustiernahrung im Freien ist strikte zu unterlassen und Luderplätze sind generell nicht tolerierbar und verantwortungslos.


Erklärung zur Futtergewöhnung:

 

Bekommt ein Wildtier regelmässig Futter von Menschen oder in Menschennähe, so findet automatisch eine Gewöhnung an eine künstliche Futterquelle und eine Gewöhnung an die Nähe zu Menschen statt. Die Tiere unter-schreiten dabei immer wieder ihre natürliche Fluchtdistanz, was dazu führen kann, dass die Fluchtdistanz bleibend reduziert wird oder ganz verloren geht. Problematisch kann es dann werden, wenn bei einer bereits bestehenden Gewöhnung an eine künstliche Futterquelle, diese plötzlich verweigert oder entfernt wird. Die Tiere werden ihre Futterquelle verteidigen, können aufdringlich werden und im Extremfall Aggressionen entwickel.

 

Verhalten bei Wolfsbegegnungen

 

Sollte es zu einem der seltenen Zusammentreffen kommen, bleiben Sie stehen, verhalten Sie sich ruhig und geben Sie dem Wolf die Möglichkeit, sich zurückzuziehen. Vor allem junge, noch unerfahrene Wölfe sind meist neugieriger und weniger scheu als ältere Wölfe und begeben sich eher einmal in eine unvorteilhafte Situation.

Eine solche Annäherung stellt für Sie keine Gefahr dar. Aber versuchen Sie auf keinen Fall, ein Tier anzulocken oder zu füttern. Falls der Wolf nicht von selbst wegläuft und Ihnen die Situation nicht geheuer ist:

 

Sprechen Sie laut und klatschen Sie kräftig in die Hände.
Laufen Sie nicht weg, sondern entfernen Sie sich allenfalls langsam rückwärts.
Sollte der Wolf Ihnen wider Erwarten sogar folgen, so bleiben Sie stehen und versuchen Sie ihn einzuschüchtern, indem Sie sich gross machen (sich gerade aufrichten) und ihn lautstark anschreien. Dies wird ihn auf Distanz halten oder in die Flucht schlagen.

 

Verhaltensregeln speziell für Kinder

 

Bei Kindern, die häufig an gleichen Orten spielen, ist es extrem wichtig, dass sie Wildtiere nie anlocken und nie füttern, auch keine Esswaren hinwerfen oder an ihren Spielorten zurücklassen!

Bei Begegnungen mit Wölfen und anderen grossen Wildtieren sollten Kinder panische Bewegungen, wildes Kreischen und fluchtartiges Wegrennen nach Möglichkeit vermeiden und dem Tier nie den Rücken zudrehen. In solchen Situationen sollten sie immer aufrecht stehen, sich so gross wie möglich machen und „das Tier ständig beobachtend“ langsam rückwärts zurückweichen. Laut Sprechen, in die Hände Klatschen oder Anschreien kann das Tier zusätzlich einschüchtern und zum Verschwinden bewegen.
Wölfe aus Siedlungen und von unerwünschten Orten aktiv vertreiben

Wenn Wölfe wiederholt und häufig in Siedlungen oder bei Höfen erscheinen, müssen sie von dort aktiv vertrieben werden. Denn Wölfe sind lernfähig und können sich auf veränderte Situationen gut einstellen. Wir müssen deshalb verhindern, dass sie sich an den Aufenthalt in Siedlungsnähe gewöhnen oder sich sogar darauf konditionieren.

 

Was können wir tun?

 

Das einmalige oder sporadische Vergrämen, z.B. mit Gummi-schrot, wird nicht die erwünschte Wirkung zeigen. Vergrä-
mungsmassnahmen müssen konsequent, wiederholt, situationsbezogen und mit geeigneten Mitteln umgesetzt werden, damit sie nachhaltig wirken können. Sie können jedoch nur dort eingesetzt werden, wo Wölfe denselben Ort mehrfach aufsuchen.
Das „Entfernen“ eines Jungwolfes aus dem Rudel wird die generelle Situation und das Wolfsverhalten langfristig nicht beeinflussen, da dies auf das betreffende Verhalten der restlichen Tiere im Rudel und auf spätere Generationen keine direkte Auswirkung hat.
Primär sollten Wölfe, die immer wieder in Siedlungen oder in der Nähe von Gebäuden und Menschen auftauchen, bei jeder Gelegenheit und zu jeder Tages- und Nachtzeit von den erwachsenen Bewohnern selbst direkt und aktiv verscheucht und vertrieben werden, damit sie Menschen und Siedlungen als unangenehm und unkalkulierbar erfahren. Nur, wenn die Wölfe diese unangenehme oder schlechte Erfahrung immer und immer wieder machen und merken, dass es in der Nähe von Menschen ungemütlich ist, werden sie diese Orte mehrheitlich meiden und diese Erfahrung auch an die anderen Rudelmitglieder und ihre Jungen weitergeben. Wölfe sollten so früh wie möglich.

Konkret heisst das:
Bei jeder Wolfssichtung im Siedlungsgebiet sollte das Tier sofort mit viel Lärm und Bewegung aus Distanz vertrieben werden, so, wie man einen Fuchs oder fremden Hund vom Grundstück vertreiben würde.

Werden alle diese einfachen Verhaltensregeln befolgt, können viele Probleme präventiv vermieden werden.

Das Zusammenleben mit der Natur und insbesondere mit grossen Wildtieren bedingt Kenntnis, Verständnis und Toleranz.

 

Text Quelle: schweizer Wolf
Bild Quelle : wildlife-geographic.com by véronique michelle gindl